Für die Nachhaltigkeit:

Nachhaltige Lebensmittelproduktion für eine wachsende Weltbevölkerung ist ein sehr komplexes Thema, bei dem sehr viel Verwirrung herrscht und bei dem viele Menschen sehr emotional reagieren, da es auch oft mit ihrer politischen Haltung verbunden ist.

Allan Savory’s TED-Talk (mittlerweile mehr als 3,3 millionen Klicks seit März 2013) “How to fight desertification and fight climate change” war der Startschuss für ein weltweites Umdenken in der nachhaltigen Bewirtschaftung von Böden. Savory beging als junger Ökonom und Farmer einen großen Fehler, indem er mehr als 40.000 Elefanten erschießen ließ, um die Desertifikation aufzuhalten. Dieses einschneidende Erlebnis prägte ihn so sehr, dass er sich schwor, sein Leben dem Thema zu widmen, wie sich die Desertifikation aufhalten lässt. Laut Savory ist die Desertifikation die größte Bedrohung der Menschheit und die einzige Möglichkeit, die Welt nachhaltig zu ernähren eine, bei der Tiere und Pflanzen in Symbiose eingesetzt werden. Durch eine spezielle Technik werden dabei evolutionäre Bewegungs- und Verhaltensmuster von Herden nachgeahmt, um die Böden unserer Erde fruchtbar zu halten (1). Heutzutage wird diese Technik bereits in einigen wenigen Teilen der Weltweit verwand und erzielt beachtliche Erfolge.

Parallel dazu haben Studien, die sich rein auf konventionelle Tierhaltung fokussieren in den letzten Jahren dazu geführt, dass die öffentliche Wahrnehmung der Menschen die ist, dass Fleischkonsum im allgemeinen nicht nachhaltig sein kann. Dies bestärkt viele Menschen dabei, weniger Fleisch zu konsumieren oder sich paradoxerweise gar dem Vegan Trend anzuschließen. Meist wird hierbei argumentiert, dass Soja und Getreide die einzige Lösung für die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung wären.

Das Problem dieser Argumentation ist jedoch, dass unökologische Flächenbewirtschaftung in Form von Monokulturen, die beispielsweise bei Soja und Getreide gang und gebe ist, Wildtiere aus ihrer natürlichen Umgebung verdrängt. Hierbei leiden viele kleinere Tiere, die sonst bei der Argumentation für Monokulturen außen vor gelassen werden (2). Auch werden dabei die Böden zerstört, und bei diesen Methoden ist der Erzeuger auf künstliche Pestizide und Düngemittel angewiesen (3). Abgesehen davon sind viele dieser Pflanzensorten so gezüchtet, dass diese von den Bauern immer wieder neu eingekauft werden müssen, da diese Pflanzen keine neuen Samen produzieren und den Erzeuger so abhängig vom Getreidehersteller machen (4). Außerdem ist problematisch, dass auch wenn sich Leute hierzulande dazu entscheiden, sich des Fleischkonsum zu enthalten, sie nicht unbedingt dazu beitragen, dass sich die Massentierhaltung verringert (5), da das Fleisch dann einfach ins Ausland (z.B. China) verkauft wird, wo die Nachfrage grad stark steigt. Wer jedoch Erzeuger unterstützt, die nachhaltig Fleisch produzieren, unterstützt damit eine Industrie, die sonst vom Aussterben bedroht ist und gibt dabei mit seinem Geld auch ein politisches Statement ab.

Häufiger Kritikpunkt an Rinderzucht ist der CO2-Ausstoß, dieser wird aber bei Konsum von Weiderindern nicht gefördert, im Gegenteil: die scheinbar nutzlosen, für den Ackerbau ungeeigneten Grünflächen, auf denen die Weiderinder grasen, werden wieder zu Kohlenstoffdioxid-Speichern und entlasten die Umwelt damit. Rinder aus Massentierhaltung bzw. die Erzeugung und Ernährung der Tiere führt hingegen zu einem enormen CO2- und Wasser-Verbrauch. Der Methan-Ausstoß durch Weidetierhaltung wird zwar nicht geringer im Vergleich zu Rindern aus der Massentierhaltung, allerdings produzieren Rinder, die mit Getreide gefüttert werden, zusätzlich Lachgas, welches für die Umwelt etwa 300-mal schädlicher als CO2 ist (6)(7)(8). Mit ihrem spezialisierten Mikrobiom ist es Kühen, Büffeln und anderen Wiederkäuern möglich, Weidepflanzen zu Milch und Fleisch umzuwandeln, den Boden vor Erosionen zu schützen und letztendlich die Flächen für uns als indirekte Nahrungsquellen nutzbar zu machen, die wir nicht nachhaltig mit menschlicher Pflanzennahrung beackern können (9).

Das Getreide, mit dem die Tiere aus Massentierhaltungen gefüttert werden, wird häufig aus Ländern der “Dritten-Welt” bezogen, die ihre Nutzflächen und Wasserressourcen für Monokulturen verschwenden und sogar weitere Wälder roden, um mehr Nutzflächen zu erlangen, statt einheimische, nährstoffreiche Produkte für den Eigenbedarf anzupflanzen (10). Auch wird in Deutschland Getreide subventioniert (11) und dadurch zahlt der Verbraucher zwar nicht direkt beim Kauf, sondern indirekt mehr Geld für sein konventionelles Fleisch über seine Steuerbeiträge.
Zudem wird häufig der enorme Wasserverbrauch für die Erzeugung von Rindfleisch von Kritikern genannt: Weiderinder verbrauchen allerdings kein zusätzliches Wasser, da sie den ganzen Tag auf der Wiese grasen und ihnen Wasser in Form von Regen zur Verfügung steht. Zudem muss ihre Nahrung nicht kilometerweit per Land-, Wasser- oder Flugweg transportiert werden so wie bei Rindern aus der Massentierhaltung, was nebenbei zusätzlich die CO2-Werte senkt (12).

(1) Allan Savory – How to fight desertification and reverse climate change, March 2013:

(2) Die Ernährungsform, die Tieren am wenigsten schadet ist eine, bei der man auch große Wiederkäuer konsumiert: http://link.springer.com/article/10.1023%2FA%3A1025638030686

(3) Verdrängung von Wildtieren durch industrialisierte Methoden der unökölogischen Flächenbewirtschaftung:

Verursachen Vegetarier mehr Blutvergießen als Fleischesser?

(4) Agro-Gentechnik macht Bauern abhängig:
http://www.merkur.de/bayern/monsanto-genozid-an-bauern-mm-364408.html

(5) Pressemitteilung vom BUND 2014: Wer sich dem Fleischkonsum komplett enthält, trägt nicht unbedingt dazu bei, dass die Massentierhaltung sich verringert.

(6) Schaller, Heidrun: Die Paleo-(R)Evolution. Börsenmedien AG, Kulmbach 2015, S. 196-199: http://www.amazon.de/dp/3864702437

(7) Kraftfutter ist keine Lösung für das Klima: http://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/156803/index.html

(8) O’Brien, Dennis: Cattle Pastures May Improve Soil Quality. In: Agricultural Research Magazine 59, Nr. 3 (2011), p. 6:
http://agresearchmag.ars.usda.gov/2011/mar/soil

(9) Anita Idel: Die Kuh ist kein Klima-Killer: Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können, November 2010:
http://www.amazon.de/dp/3895188204

(10) Schaller, Heidrun: Die Paleo-(R)Evolution. Börsenmedien AG, Kulmbach 2015, S. 194-196: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/584509/Vegetarier-sind-auch-Moerder

(11) Subventionen kontra Artenvielfalt:
http://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/internationale-agrarpolitik/internationale-agrarpolitik/

(11) WWF Deutschland, Frankfurt am Main: Der Wasser-Fußabdruck Deutschlands, August 2009:
http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/wwf_studie_wasserfussabdruck.pdf

Hier ist ein weiterer umfangreicher Artikel (auf englisch) zu dem Thema, den wir sehr empfehlen können:
http://sheldonfrith.com/2015/12/03/letter-to-a-vegetarian-nation-or-we-should-eat-meat/